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13. Februar 2008
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Aufrufe: 4080
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>>Wirtschaftliche Interessen zählen mehr als Menschenrechte<<
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Reporter ohne Grenzen
kritisiert Doppelzüngigkeit politischer Akteure
Paris/Berlin - Die Organisation Reporter ohne Grenzen
(ROG)
http://www.rsf.org hat in
ihrem gestern, Dienstag, veröffentlichten Jahresbericht politischen Akteuren in
aller Welt "Versagen und Doppelzüngigkeit" bei der Verteidigung der
Meinungsfreiheit vorgeworfen. Das fehlende Rückgrat einiger westlicher Länder
und führender internationaler Organisationen schade der Pressefreiheit, stellt
ROG-Generalsekretät Robert Ménard darin fest. "Der mangelnde Wille
demokratischer Länder, die Werte zu verteidigen, für die selbst stehen, ist
alarmierend", erklärt Ménard. Besonders besorgniserregend sei die nachgiebige
Haltung der Europäischen Union gegenüber Diktaturen wie Simbabwe und Usbekistan.
Auch wenn es um wirtschaftliche Interessen etwa in China oder Russland gehe,
stünden Menschenrechte selten auf der Agenda.
Im UN-Menschenrechtsrat sei beispielsweise die desolate Lage der
Menschenrechte in Usbekistan und dem Iran kein Thema. "In Usbekistan hat sich
die Zensur derartig verschärft, dass man nicht mehr von Meinungsfreiheit
sprechen kann", schildert Jakob Preuss, GUS-Referent bei ROG Deutschland. Nur wenige Journalisten würden sich dort trauen offen
ihre Meinung zu äußern. "Die Zeitungen tippen wortwörtlich das ab, was ihnen die
staatlichen Nachrichtenagenturen vorgeben", kritisiert Preuss. In Russland sei
die Situation zwar nicht mit der in Usbekistan zu vergleichen, jedoch fällt auch
hier die Bilanz für das Jahr 2007 sehr negativ aus. "Die Übergriffe der
russischen Polizei gegen Journalisten häufen sich, auch deutsche Kollegen waren
davon betroffen", stellt der ROG-Referent fest. Obwohl das Internet dort noch
Platz für politische Opposition biete, sei die Bereitschaft zur Verfolgung in
Russland dennoch gegeben.
Verschärfen würde sich die Situation für unabhängige Journalisten laut ROG
speziell rund um wichtige Wahltermine. "Besonders im Vorfeld von Wahlen geraten
Medien in vielen Ländern unter Druck und werden stärker kontrolliert", sagte
Michael Rediske, Vorstandssprecher der deutschen Sektion von ROG, gestern im
Rahmen einer Podiumsdiskussion in Berlin. Dies sieht auch Preuss so, und
verweist auf eine sehr einseitige Wahlberichterstattung in staatlichen
Medienanstalten. So würden etwa bestimmte Themen bewusst ausgeklammert und
politische Kandidaten in den Medien zunehmend ins rechte Licht gerückt. "Vor
Wahlen wirkt die politische Berichterstattung oft wie bestellt", ergänzt der
ROG-Referent. Im Falle Russlands seien die bevorstehenden Wahlen deshalb wohl
nur eine reine Formsache. "Auch die Wahlen in Usbekistan Ende Dezember waren
nichts weiter als eine Farce", kritisiert Preuss. Insgesamt gesehen gebe die
Bilanz des vergangenen Jahres nicht unbedingt Anlass zur Hoffnung, dass sich die
Mediensituation in diesen Ländern in nächster Zeit verbessern werde.
In dem Jahresbericht äußert sich ROG auch besorgt über die Sicherheit von
Journalisten, die aus Ländern wie Sri Lanka, den Palästinensischen
Autonomiegebieten, Somalia, Niger, dem Tschad und vor allem aus dem Irak
berichten. Gerade im Irak werden laut ROG "noch immer fast jede Woche
Journalisten beerdigt". Des Weiteren kritisiert die Organisation die Zensur der
Neuen Medien, die insbesondere in China stattfindet. "Sobald ein Journalist oder
Weblogger aus der Haft entlassen wird, wandert ein anderer hinter Gitter", so
ROG.
Der 167 Seiten starke ROG-Jahresbericht gibt eine Übersicht über die weltweite
Lage der Pressefreiheit und beschreibt detailliert die Situation in 98 Ländern.
Darunter befinden sich alle Mitgliedsstaaten der Europäischen Union genauso wie
die USA. Für Interessierte steht der Bericht unter
http://www.reporter-ohne-grenzen.de zum Download bereit. (pte.at)
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