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15. Jänner 2008
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Nigerias Regierung klagt drei große Tabakhersteller
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Wegen Antiraucherkampagnen in
Europa soll nun Afrika Tabakumsätze bringen
London/Abuja - Nigeria hat Klagen gegen drei
international agierende Tabakkonzerne eingebracht. Rund 44 Mrd. Dollar
Schadenersatz will die Regierung in Abuja
http://www.nigeria.gov.ng
für den ihrer Meinung nach inakzeptablen Druck der Zigarettenhersteller auf die
dortige Bevölkerung haben. Seit den Antiraucherkampagnen in Europa und den USA
suchen die Tabakgiganten nach neuen Absatzmärkten. Dabei geraten immer jüngere
Kunden ins Visier der Konzerne, berichtet BBC-Online.
British American Tobacco (BAT)
http://www.bat.com, Philip Morris und International Tobacco Ltd weisen die
Anschuldigungen als haltlos zurück und argumentieren damit, sozial
verantwortliche Unternehmen zu sein, die Kinder nicht als Zielgruppe für ihre
Produkte sehen. Die Konzerne kritisieren die immensen Forderungen und weisen die
Klagen als gegenstandslos zurück. Rechtsberater und Anwälte der Regierung sind
allerdings überzeugt davon, dass sie die Klage gewinnen können.
Als Beweis sollen auch Emails zwischen den Angestellten der Tabakkonzerne
herangezogen werden. In diesen Mails soll es darum gehen, Jugendliche für das
Rauchen zu begeistern und den Gesetzgeber dazu zu animieren, Tabakverkauf nicht
mehr zu regulieren. Vier nigerianische Lokalregierungen hatten bereits
angemeldet, ebenso Klagen gegen die Zigarettenindustrie wegen dieser Vorwürfe
einzubringen. Rauchen ist in Westafrika weit verbreitet und der BAT-Konzern hat
erst kürzlich eine Fabrik im westafrikanischen Land errichtet. Nach Angaben von
Antiraucher-Aktivisten bekommen vor allem Kinder und Jugendliche dauerhaft zu
hören, dass Rauchen etwas Gutes sei, berichtet BBC. Junge Raucher kaufen Tabak
von Händlern in einzelnen Stangen. Dies erleichtere auch den Zugang zum Rauchen.
Nach Schätzungen der Weltgesundheitsorganisation WHO
http://www.who.int rauchen rund 18 Prozent der jungen Nigerianer - und
sorgen dafür, dass die Gesundheitsstatistik der rund 140 Mio. Nigerianer nicht
allzu gut ausfällt. Der Großteil der Bevölkerung des westafrikanischen Landes
ist unter 20 Jahre alt.
Mehr als 3.000 Seiten Beweismaterial haben die Rechtsanwälte bereits in Händen,
wie Chefankläger Babatunde Irukera gegenüber BBC meint. Dort ist die Rede davon,
wie man am ehesten an junge Raucher herankommen kann. "In den E-Mails werden sie
YAUS - Young and Underaged Smokers - genannt", so Irukera. Vorbildwirkung haben
zahlreiche Klagen, die von US-Antiraucherkampagnen und Anwälten gegen die
Tabakindustrie eingebracht wurden. Einige dieser milliardenschweren Klagen
wurden allerdings verworfen. So wies im Jahr 2000 ein Gericht in Florida eine
Forderung von 145 Mrd. Dollar gegen einen Tabakhersteller als "unrechtmäßig"
zurück.
In Nigeria kommen auch noch andere schwerwiegende Probleme im Gesundheitswesen
hinzu: Die öffentlichen Kliniken gelten als chaotisch und schlecht ausgestattet.
Geräte würden nicht funktionieren und es fehle an geeigneten Medikamenten. Die
Anwälte der Tabakkonzerne könnten folglich vorbringen, dass der Staat Nigeria
sich um seine Bürger im Bezug auf Gesundheitsvorsorge kaum Gedanken mache bzw.
dafür kein Geld zur Verfügung stelle und daher keine Verantwortung für die
Menschen übernehme. Seitens der Tabakindustrie weist man jegliche Verantwortung
für den schlechten Gesundheitszustand der Bevölkerung von sich. BAT
argumentiert, dass es bereits seit den frühen 1900er Jahren in Nigeria tätig sei
und niemals Kinder als potenzielle Kunden gesehen hätte. (pte.at)
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