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27. November 2007
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Aufrufe: 4041
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Nachhaltiger Hochwasserschutz für einen ganzen Fluss
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Wasserbau nach Schauberger
weckt akademisches Interesse der TU Graz
Bruck/Mur - Im Unterschied zu herkömmlichen
Hochwasserschutz-Projekten wird in der Großen Tulln ein neues System zum
nachhaltigen Hochwasserschutzes konzipiert, das nicht gegen, sondern mit der
Fließenergie des Wassers arbeitet. Anstatt sich auf den Uferschutz alleine zu
beschränken, werden zusätzlich im Fluss Veränderungen vorgenommen. Das Projekt
ist eine praktische Umsetzung der Erkenntnisse des österreichischen
Naturforschers Viktor Schauberger. Der rund 40 Kilometer lange Fluss ist durch
niedere Niederwasser- und hohe Hochwasserstände charakterisiert.
"Ich habe in meiner langen Tätigkeit im Hochwasserschutz gelernt, dass man sich
nie gegen das Wasser stellen darf, sondern die Energie dorthin lenken muss, wo
sie nicht schädlich, sondern sogar nützlich ist", so Projektberater Otmar Grober
von der Baubezirksleitung Bruck an der Mur. Grober
hat als Experte für die praktische Umsetzung der Erkenntnisse Schaubergers
bereits mehrere Projekte wie etwa die Mürz bei Langenwang, die Salza, die Mur
und die Url erfolgreich realisiert. "Das Besondere am Projekt Große Tulln ist,
dass der gesamte Fluss in Betracht gezogen wird und dass erstmals mit dem
Institut für Wasserbau und Wasserwirtschaft der TU Graz auch eine Universität
bei einem Modellversuch direkt eingebunden ist", so Grober.
"Ich übersetze Schaubergers Erkenntnisse in die heutige Zeit und habe den
Vorteil, auf Bagger zurückgreifen und dadurch Naturmaterialien verwenden zu
können, wo Schauberger noch mehr oder weniger gezwungenermaßen mit Beton
arbeitete", erklärt Grober. Die Natur reagiere auf flussbauliche Maßnahmen
unmittelbar. "So konnten wir feststellen, dass Weidenstecklinge um ein
Vielfaches schneller wachsen als normal, der Fischbestand zunimmt und die
Wasserqualität mit freiem Auge sichtbar besser wird." Infolge des Einwirkens auf
Oberflächen- und Tiefenwässer komme es zu einer Gesamt-Qualitätsverbesserung des
Flusses. Mit den Einbauten könne es sogar möglich werden, Reststoffe abzubauen,
die von Kläranlagen nicht abgebaut werden können. Ziel sei es, dass der Fluss
bei der Mündung eine ebenso gute Wasserqualität aufweise, wie am Oberlauf. "Um
die Erkenntnisse Schaubergers zu verstehen, werden noch sehr viele
wissenschaftliche Untersuchungen notwendig sein", erklärt der Wasserexperte.
Ein wesentlicher Teil des Projekts umfasst auch die Verringerung der
Fließgeschwindigkeit des Flusses zur Minderung der Hochwassergefahr. "Bei
früheren Flussbegradigungen mit Betoneinfassungen passierte genau das Gegenteil:
Die Fließgeschwindigkeit wurde erhöht, die Folge davon waren verheerende
Überschwemmungen." Gerade die Arbeiten nach der Lehre Viktor Schaubergers
könnten eine neue sozial-ökologisch ausgewogene Zukunft bringen, die auch
leistbar sei. "Vorraussetzung dabei ist aber das Erkennen, dass Landschaften
vielfältige, zusammenhängende Organismen sind und die Gewässer diese nicht nur
räumlich miteinander verbinden."
Ein Forscherteam des Instituts für Wasserbau und Wasserwirtschaft TU Graz
http://www.hydro.tugraz.at untersucht den Einbau einer Rampe, die zur
Verringerung der Fließgeschwindigkeit dient, im Modellversuch. "Bei einer
Pendelrampe fließt das Wasser durch den Einbau von Sohlgurten in einem geraden
Flussabschnitt mäandrierend ab", erklärt die Projektassistentin des
Modellversuchs Pendelrampe, Christine Sindelar. "Die Pendelrampe soll hinkünftig
an mehreren Stellen an der Großen Tulln alte Gefällestufen ersetzen. Daher
wurden für den Aufbau des Modells ein typisches Gefälle und ein typisches
Querprofil herangezogen. So soll es möglich sein, die Ergebnisse des
Modellversuchs auf mehrere Standorte zu übertragen." Die Grazer Wissenschaftler
wollen auch klären, ob bzw. unter welchen geänderten Rahmenbedingungen sich die
Ergebnisse verallgemeinern lassen. (pte.at)
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