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21. November 2011
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Aufrufe: 4100
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Genmais: Enorme Lücken bei Risikobewertung
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Fehlende Standards, kaum externe Sicherheitsprüfungen
Budapest/München
- Die Zulassung vieler genmanipulierter Pflanzen durch die zuständigen
Prüfstellen der EU steht auf sehr wackeligen Beinen. Denn die Daten, die von den
Biotech-Firmen zur Risikobewertung vorgelegt werden, sind nicht verlässlich
reproduzierbar - und aufgrund fehlender Standards auch nicht vergleichbar. Das
berichten Forscher des Pflanzenschutz-Instituts der ungarischen Akademie der
Wissenschaften
http://www.nki.hu/en in der Zeitschrift "Food and Agricultural Immunology".
Vier Tests, vier Ergebnisse
Gentechnisch veränderte Bt-Pflanzen produzieren ein Gift, das gegen
Schadinsekten wirken soll. Um ihr Risiko bewerten und Resistenzen vorbeugen zu
können, muss der tatsächliche Gehalt dieses Insektengifts (Bt-Toxin) bekannt
sein. "Bisher stützen sich die Prüfstellen in ihrer Entscheidung oft nur auf
Daten der Industrie. Nun konnte gezeigt werden, dass diese Daten oft nicht
reproduzierbar sind und auf Messverfahren beruhen, die nicht von anderen Labors
überprüft wurden", berichtet Christoph Then, CEO der Testbiotech
http://testbiotech.org ,
die zu den Sponsoren des Forschungsprojekts gehört.
Die ungarischen Forscher untersuchten die Bt-Konzentration im Pollen des
gentechnisch veränderten Mais MON810. Wenngleich die Pflanze in einigen
EU-Ländern bereits angebaut wird, ist ihr Giftgehalt kaum von unabhängiger Seite
untersucht. Dass die Probleme mit fehlenden Standards hier ganz erheblich sind,
zeigen die Ergebnisse, auf die vier unterschiedliche Labors in ihren Messungen
kamen. "Standardisierte Messprotokolle sollten dringend festgelegt werden.
Solange einzelne Messungen nicht von anderen Labors überprüft sind, sollte man
sie nicht länger als belastbare Daten akzeptieren", fordert Studienleiter Andras
Szekacs.
"Auge zu" bei kombiniertem Risiko
Für die Risikobewertung ist diese Frage relevant, da von einem potenziellen
Risiko ganze Nahrungsketten betroffen wären. Giftiger Maispollen, der in
Gegenden mit Bt-Pflanzenbau keine Seltenheit ist, wird auch von vielen
unschädlichen Tieren wie Bienen, Schwebfliegen oder indirekt von
Schmetterlingsraupen aufgenommen. Darüber hinaus wirkt Bt in Wurzeln auf
Bodenorganismen und deren Ökosystem, während andere Pflanzenteile in Lebens- und
Futtermitteln landen. Diese Effekte als auch jene der Umweltbedingungen auf den
Bt-Gehalt der Pflanzensorten und -teile sind kaum oder nur unzureichend
untersucht.
Zehn Bt-Toxine in gentechnisch veränderten Pflanzen erlaubt die EU derzeit für
den Import und die Verwendung in Lebens- und Futtermitteln. Zunehmend
kombinieren die Hersteller jedoch Bt-Pflanzen miteinander und lassen sie somit
mehrere Giftstoffe gleichzeitig bilden, wie beispielsweise der "SmartStax"-Mais
von Monsanto und DowAgroSciences, der gleich sechs Bt-Toxine besitzt. "Bisher
wurden nur die Ausgangspflanzen, nicht aber deren Kombinationen getestet.
Wechselwirkungen und deren Risiken sind somit beinahe unerforscht", warnt Then.
Abstract der Originalstudie:
http://dx.doi.org/10.1080/09540105.2011.604773 (pressetext.redaktion)
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