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Finanzielle Anreize reichen nicht für Breitenwirkung
München
- Obwohl Solarfassaden massive Kostenvorteile bringen, nehmen Haushalte im
Regelfall nicht an entsprechenden Förderprogrammen teil. Nicht einmal dann, wenn
die Anschaffungskosten komplett entfallen und wenn es ab dem ersten Monat ein
Nettoersparnis gibt, berichten Forscher im Vorfeld des Energy Forums
http://www.energy-forum.com , das Anfang Dezember in Bressanone stattfindet.
Ihre Studie zeigt, dass die Barrieren weit vielschichtiger sind als bloß die
vermeintlich hohen Kosten oder fehlendes Know-how der Architekten.
Zu wenig Informationen
"Die Kosten für Energiefassaden sinken drastisch. Es fehlt jedoch noch an
vernünftigen Konzepten, um Solarfassaden zu Selbstläufern zu machen. Unsere
Studie zufolge reichen bloß finanzielle Anreize dafür nicht", berichtet Andreas
Karweger vom Münchner Economic Forum
http://economic-forum.eu
. Künftig führt jedoch besonders bei Hochhäusern kein Weg um eine bessere
energetische Nutzung der Gebäudefassaden herum. "Die EU-Vorgabe, dass 2020 alle
neuen Gebäude den Niedrigstenergie-Standard erfüllen, ist bei Hochhäusern allein
mit Solarpanels am Dach nicht zu erfüllen", so der Experte.
Die Idee zur Solarfassade taucht in Bauprojekten immer häufiger auf. Bei den
vielen Entscheidungen, die Bauherren in den einzelnen Bauphasen zu treffen
haben, wird sie jedoch meist wieder fallen gelassen. Laut der Studie des
Economic Forums ist die Komplexität des Systems ein Problem, sowie auch die viel
zu hoch vermuteten Kosten, wie unabhängig davon auch das britische Ingenieurbüro
Arup zum Schluss kommt. Denn Architekten, Bauherren und Immobilienkäufern fehlt
eine ausreichende Informationen über Kosten und Erträge der Anlage, besonders
was jene über den gesamten Lebenszyklus des Gebäudes betrifft.
Falsche Anreize
Dass Bauherren aufgrund der aktuellen Situation oft kurzsichtig entscheiden,
geht teils auf staatliches Versagen zurück. In vielen Ländern sind steuerliche
Abschreibungsmöglichkeiten so ausgelegt, dass Baukosten nur langfristig über
Jahrzehnte abgeschrieben werden können, der monatliche Energieverbrauch jedoch
sofort. Dadurch steigt die Tendenz, Baukosten möglichst niedrig zu halten und
die Energieeffizienz zu vernachlässigen. Besonders bei Solarfassaden wird dies
zum Nachteil: In Deutschland kann diese nur über fünfzig Jahre abgeschrieben
werden, eine Aufdachanlage, die ein bewegliches Gut darstellt, jedoch über
zwanzig Jahre.
Persönliche Ansprache wichtig
Erfahrungen mit Energieeffizienzprogrammen in den USA zeigen allerdings, dass
Haushalte nicht rational entscheiden und finanzielle Förderungen nur zu
Mitnahmeeffekten bei wenigen führen, während die Verhaltensänderungen der vielen
nicht erreicht wird. "Wichtig ist es, dass Entscheider im sozialen Umfeld starke
Unterstützung für Investitionen in die Energieeffizienz oder erneuerbare
Energien vorfinden. Meinungen und Infos der Bekannten beeinflussen
Entscheidungen stärker als die Höhe der Anschaffungskosten. Deshalb ist die
persönliche Ansprache und Multiplikatoren wie Architekten, Heizungs- und
Elektroinstallateure sowie Fassadenbauer wichtig", so Karweger.
Ein Paradebeispiel für gelungene Förderung bietet die Stadt Houston, die im
Programm "Power to People"
http://www.houstonpowertopeople.com die Gebäudehülle ihrer Bürger kostenlos
luftdicht versiegelt. Dazu schrieb die Stadtverwaltung zunächst die Bewohner
eines Stadtteils gezielt an, stellte das Programm vor und erreichte damit
bereits eine Anmeldung von jedem zehnten Haushalt. Kirchengruppen und das
Stadtratsmitglied des Bezirks wurden zur Organisation von Freiwilligengruppen
involviert, die dann von Haus zu Haus gingen und das Programm vorstellten. Das
Ergebnis war eine Teilnehmerquote von 40 bis 80 Prozent. (pressetext.redaktion)
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