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19. April 2011
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Aufrufe: 4046
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BP-Ölpest: Vertuscht, verzerrt und vergessen
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Zwischenbilanz ein Jahr danach: Die Welt hat nichts gelernt
Washington/Wien -
Ein Jahr ist es her, seit am 20.
April 2010 die BP-Ölbohrinsel "Deepwater Horizon" verunglückte. Die Katastrophe
forderte elf Menschenleben und setzte 780 Mio. Liter Rohöl in den Golf von
Mexiko frei. Fischerei und Tourismus der US-Golfküste, jedoch auch zahlreiche
Ökosysteme erlitten enorme Schäden. "Obwohl das Unglück bis zum
Fukushima-Atomdesaster das Umweltthema Nummer Eins war, hat die Welt daraus
nichts gelernt", so die nüchterne Zwischenbilanz von Greenpeace-Experten Jurrien
Westerhof
http://www.greenpeace.at im pressetext-Interview.
Gekaufte Forschung
Für die Verhinderung jeglichen Wandels macht der Umweltschützer die US-Regierung
wie auch den Ölkonzern BP verantwortlich. "Vom ersten Tag der Katastrophe an bis
heute haben beide nur beschwichtigt und vertuscht. Schon anfangs hieß es immer,
es trete nur wenig Öl aus, zudem vermied BP über lange Zeit mit Erfolg genaue
Messungen. Jede Ungenauigkeit in den Angaben half dem Konzern." Das
Herunterspielen des Ausmaßes und der langfristigen Folgen sei nicht nur Frage
des Images, sondern habe auch Konsequenzen für Schadenersatz-Forderungen.
Die Gegenstrategie von BP reiche bis weit in die Forschung hinein. "Innerhalb
weniger Wochen nach dem Unglück hat BP zahlreiche Wissenschaftler mit viel Geld
gekauft. Das Dilemma der Forscher ist immer, dass sie gerne viel tun würden,
jedoch keine Mittel dafür haben. In Folge des Unglücks wurden viele von ihnen in
BP-Forschungsprogramme eingebunden, wodurch der Ölkonzern die Oberhand bekam.
Denn häufig lautet die Taktik, Studien in Auftrag zu geben, die dann erst zu
einem späteren Zeitpunkt oder gar nicht mehr veröffentlicht werden",
Ausmaß von US-Regierung heruntergespielt
Noch immer sind heute weite Teile der US-Golfküste verschmutzt, allen voran
ökologisch hochsensible Marschgebiete. Im Meer ist der Großteil des
ausgetretenen Rohöls laut offiziellen Berichten bereits verschwunden. Das dürfte
jedoch nur auf die Meeresoberfläche zutreffen, kontert Westerhof. "Ölrückstände
sind im Plankton sichtbar, zudem ist die Tiefsee rund um die Unglücksstelle
weiterhin voller Öl. Der hohe Wasserdruck, das fehlende Licht und Temperaturen
von zwei Grad Celsius verlangsamen den Abbau." Gestützt werden diese Aussagen
von Ergebnissen von Forschern, die das Greenpeace-Schiff "Arctic Sunrise" als
schwimmendes Labor nutzten.
Weitere Hinweise auf Umweltfolgen liefern die Zählungen verendeter Tiere, die an
die Küste geschwemmt wurden. Den Tod von 6.000 Vögeln, 700 Schildkröten und 100
Walen und Delfinen bringt die US-Regierung mit dem Ölunglück in Zusammenhang.
Auch hier geht Westerhof von deutlich größerem Ausmaßen aus. "An Land
geschwemmte Tiere stellen nur einen Bruchteil der auf hoher See verendeten dar.
Bei Walen geht man davon aus, dass die Zahl der Opfer jene der tot
angeschwemmten um das 50-Fache übersteigt. Derzeit beträgt die Rate der
angeschwemmten Delphine das Dreifache des natürlichen Wertes."
Wettbohren in Risikogebieten geht weiter
Langfristige politische Folgen hatte die Katastrophe keine. Der
Tiefsee-Bohrstopp der US-Regierung für bestimmte Regionen im Golf von Mexiko
hielt bloß fünf Monate und ist seither wieder aufgehoben. "Moratorien sind die
Standardreaktionen der Politik, mit der sie den Anschein erwecken will, dass sie
schnell handelt. Fast immer werden diese vorübergehenden Beschlüsse jedoch rasch
wieder aufgehoben - wie aktuell etwa auch für die stillgelegten deutschen
Atommeiler zu erwarten ist", so Westerhof.
Die fieberhafte Bohren nach Öl geht weiter, besonders in der Tiefsee und Arktis,
wo komplizierte Bedingungen herrschen. Denn immer mehr herkömmliche
Förderquellen versiegen oder werden unzugänglich wie etwa aktuell in mehreren
arabischen Ländern. Trotz höchster Sicherheitsstandards können Unglücksrisiken
nur minimiert, niemals jedoch ausgeschaltet werden. "Wir werden einen ähnlichen
Vorfall nie verhindern können", kommt sogar Thad Allen, der frühere Koordinator
der US-Regierungsmaßnahmen im Kampf gegen die BP-Ölpest, zum Schluss.
Greenpeace-Dokumentation der Ölpest heute:
http://issuu.com/greenpeacede/docs/mexiko-layout_1504_fin (pressetext.redaktion)
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