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Vielfache Anwendungen der Mikroorganismen und ihrer Sekundärstoffe
Halle/Köthen -
Forscher des Leibniz-Instituts für Pflanzenbiochemie (IPB)
arbeiten gemeinsam mit Wissenschaftlern der Hochschule Anhalt aus Köthen an der Suche nach neuen
antibiotischen und Antikrebs-Wirkstoffen in Algen. Algen sind in vielfacher
Hinsicht lohnenswerte Objekte für die Suche nach neuen Ressourcen zur Gewinnung
von Biomasse, Energie und bioaktiven Naturstoffen. Sie können unabhängig von
Umwelteinflüssen und unter definierten Bedingungen in Bioreaktoren kultiviert
werden. Ein weiterer Vorteil der Algen ist, dass sie in Bioreaktoren ganzjährig
wachsen, je nach Art - bis zu 20 mal schneller als Landpflanzen.
Was die Forscher allerdings am meisten interessiert, ist die enorme Vielfalt
an biologisch wirksamen Sekundärstoffen. Solche werden von anderen Lebewesen nur
in geringer Menge oder gar nicht hergestellt. Bisher konnten Forscher Substanzen
in Algen entdecken, die entweder das Zellwachstum hemmen (Antikrebswirkung), die
Bakterien, Viren oder Pilze abtöten oder Entzündungen heilen.
Vielzahl an unbekannten Substanzen
"Der Sekundärstoffwechsel der Algen ist bisher noch weitgehend unerforscht", so
die Biochemikerin Carola Griehl, Leiterin der Algenbiotechnologieabteilung der
Hochschule Anhalt. "Von den geschätzten 500.000 Algenarten
sind bisher erst rund 40.000 erforscht", erklärt die Expertin. Für die Forscher
in Köthen sind insbesondere umweltrobuste, schnellwachsende und
temperaturstabile Mikroalgen von Interesse. Sie forschen an der Mikroalge
Eustigmatos.
Konkret arbeiten die Köthener Forscher an neuen Wirkstoffen gegen Alzheimer und
zudem an der Isolierung von Lipopeptiden - das sind kleine fettlösliche
Eiweißmoleküle - die in der Krebsmedizin aber auch als neue Antibiotika
Verwendung finden sollen. "Einen Wirkstoff haben wir bisher noch nicht gefunden,
aber dafür zahlreiche sehr interessante Lipopeptide, die vielversprechend sind",
so die Forscherin.
Verschiedene Stoffe in verschiedenen Lebenszyklen
Die kultivierten Algen werden in ihrem Lebenszyklus in verschiedenen Phasen
untersucht. "Was nämlich für die Forschung von besonderer Bedeutung ist, sind
die so genannten Sekundärmetabolite", erklärt Griehl. Die Algen bilden während
ihrer Wachstumsphase andere Metabolite als während ihrer stationären
Lebensphase. "Das bedeutet, dass es viel Arbeit gibt, um allfällige Wirkstoffe
zu finden."
Ein weiterer interessanter Forschungsansatz beschäftigt sich damit, interessante
Moleküle aus den Algen zu modellieren. "Beim so genannten Molecular Modelling
wird versucht, den Nutzen einzelner Substanzen noch weiter zu verbessern",
erklärt die Wissenschaftlerin. Neben der Wirkstoffsuche für medizinische
Anwendungen arbeiten die Forscher auch noch an der Entwicklung von Carotinoiden
für Tierfutter, Lebensmittel, Pharma- und Kosmetikindustrie sowie zur
Entwicklung von Verfahren zur Reduzierung industrieller CO2-Emissionen aus
Kraftwerksabgasen und Biogasanlagen mit Mikroalgen bei gleichzeitiger Gewinnung
von Biokraftstoffen.
Die Arbeit der Forschergruppe kann unter
http://www.bwp.hs-anhalt.de/forschung/arbeitsgruppen/biochemie-algenbiotechnologie.html
abgerufen werden. (pressetext.deutschland)
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