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Buchauszug in der Ausgabe 210

von Bewusst Sein im Mai 2005

 

 

Wahrer Reichtum und die Polaritäten des Lebens

Shakti Gawain

Ein Schlüssel zur Erschaffung wahren Reichtums besteht darin, die vielen unterschiedlichen Energien in uns zu erkunden, zu entwickeln und miteinander ins Gleichgewicht zu bringen.

Die physische Welt setzt sich aus Dualitäten zusammen. Das Leben auf der Erde beinhaltet eine unendliche Zahl von Polaritäten. Zu jeder Wahrheit gibt es eine ihr entsprechende gegenteilige Wahrheit. Jede Energie hat ihr Gegenteil. Jeder einzelne Mensch ist ein Mikrokosmos des gesamten Universums; wir tragen von Geburt an alle potentiellen Energien und Archetypen des Lebens in uns. Eine der größten Herausforderungen in unserer persönlichen Entwicklung besteht darin, möglichst viele dieser Energien angemessen zum Ausdruck zu bringen und in unser Leben zu integrieren. Je mehr Aspekte unseres Selbst wir entdecken und ausdrücken, desto reicher und erfüllter ist unser Leben. Dazu müssen wir lernen, die Polaritäten unserer Existenz zu akzeptieren und ins Gleichgewicht zu bringen.

Wir wollen hier einmal ein Beispiel für ein solches Paar gegensätzlicher Energien näher betrachten; Macht und Verletzlichkeit.

Jeder von uns ist mit einer ihm angeborenen persönlichen Macht ausgestattet. Mit diesem Potential kommen wir auf die Welt; unsere Aufgabe besteht darin, es für uns zu beanspruchen, es zu entwickeln und Freude daran zu finden, es auf die uns eigene, einzigartige Weise zum Ausdruck zu bringen.

Gleichzeitig sind wir aber auch alle zutiefst verletzlich. Als menschliche Wesen haben wir Bedürfnisse und Gefühle, die uns sensibel und von anderen abhängig machen. Früher oder später müssen wir lernen, unsere Verletzlichkeit ebenso zu akzeptieren wie unsere Stärke - und für unsere diesbezüglichen Bedürfnisse selbst die Verantwortung zu übernehmen.

Macht und Verletzlichkeit sind gegensätzliche Energien. Unsere Macht ist die Fähigkeit, die Welt um uns herum nach unseren Bedürfnissen zu beeinflussen. Unsere Verletzlichkeit ist die Fähigkeit, uns selbst von der Welt um uns herum beeinflussen zu lassen. Um das Leben in seinem ganzen Reichtum erfahren zu können, müssen wir beide Polaritäten akzeptieren. Dass wir lernen, mit diesem Paradox zu leben, gehört zu den größten Herausforderungen des menschlichen Daseins: Wir sind zugleich extrem mächtig und extrem verletzlich.

Alle Energien wertschätzen
Es existieren noch viele ähnliche Paradoxa in uns. Der Versuch, sich für eine von zwei Polaritäten zu entscheiden - bestimmte Eigenschaften als 'gut' und 'positiv' sowie andere als 'schlecht' oder 'negativ' zu bewerten - führt dazu, dass in unserem Leben ein schmerzhaftes, frustrierendes Ungleichgewicht entsteht.
Das Leben konfrontiert uns immer wieder mit unseren Einseitigkeiten und Vorurteilen und drängt uns manchmal sanft, manchmal aber auch mit einem kräftigen Stoss in Richtung größerer Ausgewogenheit. Wenn Sie sich übermäßig mit Macht und Stärke identifizieren, werden Sie vielleicht krank, oder Ihr Lebenspartner verlässt Sie was Sie zwingt, sich Ihrer Verletzlichkeit bewusst zu werden und sich mit ihr auszusöhnen. Wenn Sie Ihre persönliche Macht ablehnen, kann es gut sein, dass das Leben Sie in eine Situation zwingt, in der Sie für Ihre Überzeugungen einstehen müssen oder dazu herausgefordert werden, Ihre Kräfte zu mobilisieren.

Daher müssen wir lernen, alle Energien des Lebens gleichermaßen wertzuschätzen. Wir müssen begreifen, dass es zu jeder Wahrheit ein gleichwertiges Gegenstück gibt. Wenn wir mit einem solchen Gegensatzpaar konfrontiert sind beispielsweise Intellekt und Intuition , müssen wir den Wert beider Pole anerkennen und die Fähigkeit entwickeln, beides in unser Leben zu integrieren.

Wenn es uns gelingt, mit allen Aspekten unseres Wesens Freundschaft zu schließen, steht uns die volle Bandbreite unserer Energien zur Verfügung. Dann sind wir nicht in einem starren Rollenverhalten gefangen und können weitaus kreativer und angemessener auf die Anforderungen des Lebens reagieren.

Aktiv und Rezeptiv
Ein sehr wichtiges Paar gegensätzlicher Energien in uns sind der aktive und der rezeptive (oder der dynamische und der magnetische) Aspekt. Ich bezeichne diese beiden oft als das grundlegende maskuline und feminine Prinzip des Universums.

Jeder Mensch, Mann oder Frau, trägt beide Aspekte in sich. Wir müssen beide Energien entwickeln und sie harmonisch zusammenarbeiten lassen, statt einen Konflikt zwischen ihnen zu erzeugen.

Es gibt zwei grundlegende Möglichkeiten, Macht auszuüben und das zu bekommen, was wir uns im Leben wünschen:

  • Der aktive Weg besteht darin, sein Ziel handelnd zu verfolgen, es durch eigenes Tun zu verwirklichen.
  • Der rezeptive (empfangende) Weg besteht darin, das Gewünschte anzuziehen, es zu magnetisieren, es geschehen zu lassen.

Der aktive Modus erfordert Konzentration, Aggressivität, Selbstsicherheit, Hartnäckigkeit, Handlungsfähigkeit und die Bereitschaft, Risiken einzugehen.

Der rezeptive Modus erfordert Offenheit, Verletzlichkeit, Vertrauen, die Fähigkeit, passiv zu sein, und die Bereitschaft, Dinge geschehen zu lassen und Geschenke anzunehmen.

Gemäß dem traditionellen gesellschaftlichen Rollenverhalten galt die aktive Polarität immer als typisch männlich und die rezeptive Polarität als typisch weiblich. Der Mann war dafür verantwortlich, draußen in der Welt den Lebensunterhalt zu verdienen und durch aktiven Einsatz Frau und Kinder zu ernähren. Sein Leben war in erster Linie darauf ausgerichtet, Fähigkeiten zu erwerben, die es ihm ermöglichten, seiner Rolle als Ernährer nachzukommen, sei es, indem er auf die Jagd ging, oder durch Ausübung eines Berufes.

Die Frau musste einen Ehemann finden, der sie beschützte und ernährte. Ihr Leben war darauf ausgerichtet, den besten (tüchtigsten) Partner in ihr Leben zu ziehen, der gut für sie und ihre künftigen Kinder sorgen konnte.

Im Haushalt verhielten sich die Dinge oft umgekehrt was nicht überrascht, da das Leben stets nach irgendeiner Form des Ausgleichs strebt. Hier war die Frau dafür verantwortlich, sich um Mann und Familie zu kümmern, das Essen zuzubereiten, Kleidung herzustellen und für emotionalen Rückhalt zu sorgen. Im Gegenzug wurde vom Mann erwartet, dass er zu Hause auf diese Weise Unterstützung und Fürsorge von der Frau passiv annahm.

Dieses traditionelle System funktionierte für lange Zeit relativ gut, hatte aber seine Nachteile. Beide Geschlechter waren an einengende Rollenmuster gebunden, so dass es nur wenig Raum für persönliche Erweiterung gab und der einzelne Mensch keine Möglichkeit hatte, beide Polaritäten vollständig in sich zu entfalten.

Zum gegenwärtigen Zeitpunkt unserer Evolution stehen wir vor der Herausforderung, in uns selbst beide Aspekte zu entwickeln und sie in unser Leben zu integrieren, so dass wir fähig werden, sie angemessen zu nutzen und einzusetzen. Im Leben der meisten wirklich erfolgreichen und wohlhabenden Menschen kommen beide Pole ausgewogen zum Ausdruck.

Geben und Empfangen
Unsere Fähigkeit, zu geben und zu empfangen, ist der Schlüssel dazu, wahren Reichtum zu erschaffen und zu genießen.
Wir alle kommen mit bestimmten Gaben auf diese Welt. Diese Gaben bestehen aus unseren individuellen Talenten, Interessen und Wesenszügen ebenso wie aus allgemein menschlichen Charakteristiken, etwa unserer Fähigkeit, zu lieben und füreinander zu sorgen. Diese Gaben können wir unseren Mitmenschen und der Welt am besten zukommen lassen, indem wir uns nach Kräften bemühen, unsere persönliche Wahrheit zu leben und eine möglichst authentische Form des Selbstausdrucks zu finden.

Im Gegenzug erhalten wir Anerkennung, Lob, Wertschätzung, Anteilnahme, Liebe, und unter gewissen Umständen auch Geld oder andere materielle Belohnungen. Das, was wir auf diese Weise von anderen empfangen, ermöglicht es uns, die Lebenskraft wieder aufzufüllen, die wir selbst zuvor aufgewendet haben. So können wir auch weiterhin geben.

Empfangen und Geben sind also gegensätzliche Energien, die untrennbar miteinander verknüpft sind. Sie gehören ebenso zum natürlichen Fluss des Lebens wie Einatmen und Ausatmen. Wenn der eine Aspekt dieses Zyklus nicht funktioniert, kommt der gesamte Kreislauf zum Erliegen, und die Lebenskraft kann nicht frei fließen.

Tun und Sein
Tun und Sein sind ebenfalls zwei wichtige gegensätzliche Energien, die mit den zuvor erwähnten in engem Zusammenhang stehen. Wenn wir etwas tun, befinden wir uns in einem Zustand konzentrierter, gelenkter Aktivität, die es uns ermöglicht, die Anforderungen des Alltags zu bewältigen und unsere selbstgesteckten Ziele zu erreichen. Wenn wir uns im Zustand reinen Seins befinden, können wir den gegenwärtigen Augenblick voll erfahren, ohne dabei an die Vergangenheit oder die Zukunft zu denken. So können wir tief in unser Inneres eintauchen und Verbindung zu unserer spirituellen Natur aufnehmen. Das Tun spielt sich hauptsächlich im Bereich der Persönlichkeit ab, während das Sein uns ins Reich der Seele führt.

Beide Energien sind gleichermaßen wichtig. Ohne die Fähigkeit, aktiv zu handeln, würden wir uns hilflos und frustriert fühlen. Ohne die Fähigkeit, einfach nur zu sein, würde uns unser Leben leer und sinnlos erscheinen. Die meisten von uns fühlen sich mit einer dieser beiden Energien vertrauter. Doch je mehr wir auch den jeweils anderen Aspekt stärken und beide Bereiche ins Gleichgewicht bringen, desto größerer Wohlstand wird sich in allen Lebensbereichen manifestieren.

Viele spirituelle Disziplinen bemühen sich, Menschen in Berührung mit der Seins-Energie zu bringen, indem sie ihnen die Fähigkeit vermitteln, 'ganz im Hier und Jetzt' zu leben. Jede Art von meditativer Praxis kann bei der Entwicklung dieser Fähigkeit von Nutzen sein.

Auch durch ausgedehntes Praktizieren spiritueller Übungen, die das Leben und Sein im jeweiligen Augenblick betonen, können Menschen den Seins-Aspekt überentwickeln. Sie haben dann Mühe, mit den Realitäten der materiellen Welt zurechtzukommen und angemessen für ihren Lebensunterhalt zu sorgen. Für sie gilt es, sich besser zu 'erden' und sich in pragmatischem, zielgerichtetem Handeln zu üben, um 'Sein' und 'Tun' besser miteinander zu verbinden.

Zeit-Reichtum
Die Energien des Seins und des Tuns stehen in engem Zusammenhang mit der Zeit.
Zeit ist ein sehr wichtiges Element wahren Reichtums. Wie können wir Zufriedenheit und Erfüllung erfahren, wenn wir nie dazu kommen, unser Leben zu genießen? Die meisten Menschen kämpfen tagtäglich mit einer Realität, in der sie nie genug Zeit haben. Zeitmangel scheint für den heutigen Menschen eines der zentralsten Probleme zu sein.

Das ist alles untrennbar mit unserem Verhältnis zum Tun und zum Sein verbunden. Je stärker wir uns mit der aktiven Energie des Tuns identifizieren, desto mehr Möglichkeiten, etwas zu tun, entdecken wir.
Was geschieht, wenn wir in den Modus des Seins umschalten? Wir treten in den Bereich der Zeitlosigkeit ein. Im reinen Sein gibt es praktisch überhaupt kein Zeitempfinden es existiert nur das reiche, erfüllte Erleben des gegenwärtigen Augenblicks.

Natürlich können wir nicht unser ganzes Leben im Zustand der reinen Seins-Energie verbringen. Doch ich habe etwas Erstaunliches festgestellt: Wenn es uns gelingt, in unserem Leben ein gesundes Gleichgewicht zwischen Sein und Tun zu erreichen, spielt das Problem der Zeit kaum noch eine Rolle. Da unsere intensive Seins-Erfahrung uns nährt und erfüllt, verliert die zwanghafte Suche nach äußeren Erfolgen oder immer neuen aufregenden Erfahrungen an Bedeutung. Unsere eigene Existenz von Augenblick zu Augenblick wird auf eine sehr tiefe Weise reich und bedeutungsvoll. Wir treffen unsere Entscheidungen aus der Mitte unseres Herzens heraus. Wenn etwas getan werden muss, gelingt uns das nun zumeist viel leichter und müheloser, oder jemand anderes nimmt uns ganz von selbst die Arbeit ab, oder es stellt sich heraus, dass die betreffende Sache gar nicht mehr so wichtig ist. Das Leben wird zu einem harmonischen Fluss. Wir sehen immer genau, welchen Weg wir als nächstes einschlagen müssen, ohne dass dazu übermäßige Anstrengung erforderlich wäre.

Energiefluss und Struktur
Die Lebensenergie bewegt sich stets in einem natürlichen, spontanen Fluss. Struktur als gegenteiliges Prinzip sorgt für Ordnung und Grenzen. Wie bei allen anderen Polaritäten sind auch hier beide Prinzipien unverzichtbar und müssen in unserem Leben harmonisch ausbalanciert werden.
Auch bei dieser Polarität fühlen die Menschen sich zumeist mit einem der beiden Prinzipien besonders wohl, sodass sie es stärker entwickelt haben als das andere. Wer sich mehr mit dem Strukturprinzip identifiziert, versteht sich in der Regel darauf, seine Alltagsdinge zu bewältigen, und führt ein gut geplantes und durchorganisiertes Leben. Wer sich stärker mit dem Energiefluss identifiziert, lebt spontaner, konzentriert sich eher auf größere Perspektiven und gibt sich weniger mit Details ab. Struktur-Menschen gehen meist auf eine rationale, analytische Weise an Probleme heran, während Fluss-Menschen sich stärker auf ihre Intuition und ihre Gefühle verlassen.

Es ist interessant zu sehen, wie sich die beiden Prinzipien im Umgang mit finanziellen Dingen bemerkbar machen. Wenn wir sehr strukturiert sind, führen wir sorgfältig über unser Monatsbudget Buch und achten genau darauf, dass wir nicht zu viel Geld ausgeben und genügend Rücklagen für die Zukunft bilden.
Betrachten wir das Leben mehr aus der fließenden Perspektive. verschwenden wir oft keine Mühe darauf, unsere Finanzen zu organisieren. Wir vertrauen darauf, dass das Universum schon für uns sorgen wird und immer so viel Geld da ist, wie wir gerade benötigen.

Natürlich finden solche derart verschieden orientierten Leute auffallend häufig als Ehe- oder Geschäftspartner zusammen und rauben sich dann durch endlose Diskussionen über den richtigen Umgang mit dem Geld den letzten Nerv! Diese gegenseitige Anziehung entsteht, weil von solchen streitenden Partnern jeder eine Eigenschaft besitzt, die dem anderen fehlt und für die er sich öffnen sollte.
Jede dieser beiden Arten, mit Geld umzugehen, besitzt ihre Stärken und ihre Grenzen. Betonen wir das Strukturprinzip zu sehr, arbeiten wir möglicherweise zu hart, machen uns zu viele Sorgen und berauben uns der Freuden des Alltags, ohne je das Gefühl der Sicherheit zu erlangen, das wir uns erhoffen. Unserem Leben fehlt es dann an Spaß und Leichtigkeit.

Wenn wir uns andererseits völlig dem Prinzip des Fließens hingeben, könnte es unserem Leben an Erdung fehlen, sodass wir mit den praktischen Anforderungen des Alltags nicht zurechtkommen.
Je mehr wir lernen, alle Aspekte unseres Seins zum Ausdruck zu bringen, je mehr Freiheit, Zufriedenheit und Ganzheit wir erfahren, desto reicher fühlen wir uns.

Da sich in unserem Leben unser Bewusstseinszustand widerspiegelt, wird unsere Welt um so besser funktionieren, je ausgewogener und integrierter wir uns innerlich fühlen. Ein Gefühl des Wohlstandes und der finanziellen Sicherheit zeigt an, dass es um unser inneres Gleichgewicht gut bestellt ist.

 

Aus: Shakti Gawain
"Das Geheimnis wahren Reichtums"
Wie man sich seine Träume wirklich erfüllt
Heyne-Verlag / Preis (A/D/CH): € 16,40 / € 16,- / SFr 29,50

ISBN 3-453-16407-5

Beschreibung und Datenblatt zu diesem Buch

 

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