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Geruchssinn wird durch
emotionalen Stress geschärft
Chicago - Der Geruchssinn des Menschen wird geschärft, wenn er
Gefahr ausgesetzt ist beziehungsweise starke Emotionen durchlebt. Diesen Schluss
ziehen Wissenschaftler der Northwestern University nach einer Studie an
zwölf jungen Erwachsenen. Es zeigte sich, dass Emotion für die Sinneswahrnehmung
des Menschen eine wichtige Rolle spielt. Der Mechanismus sei wahrscheinlich eine
Überlebensstrategie, die der Mensch entwickelt hat, um schnell und unterbewusst
gefährliche Gerüche aus dem Meer an Eindrücken, die ihn umgeben,
herauszufiltern, so Forschungsleiter Wen Li zu der in Science veröffentlichten
Studie.
Im Rahmen der Untersuchungen sollten zwölf Personen aus drei nahezu
identischen Chemikalien anhand des Geruchs die unpassende Substanz auswählen.
Tatsächlich seien die Gerüche allerdings kaum zu unterscheiden gewesen, so die
Forscher. Die chemischen Verbindungen stimmen in allem überein und sind
lediglich in ihrem Aufbau spiegelbildlich verdreht. Im Normalzustand zeigte sich
das erwartete Ergebnis. Nach dem Gesetz der Wahrscheinlichkeit wählten die
Testpersonen zu einem Drittel richtig. In einem zweiten Durchgang wurden die
Probanden beim Riechen der unpassenden Substanz mit leichten Elektroschocks
konditioniert. Anschließend verbesserte sich die Erfolgsrate schlagartig auf 70
Prozent.
Die Ergebnisse der Studie seien kein Zufall gewesen, so die Forscher. Auch die
Messungen des Magnetresonanztomographen hätten Unterschiede in der
Gehirnaktivität gezeigt. Die während der Elektroschocks wahrgenommen
Geruchsinformationen wurden speziell abgespeichert und konnten so leichter von
anderen Reizen unterschieden werden. Angststörungen würden möglicherweise durch
eine Fehlfunktion dieses Systems ausgelöst, vermuten die Forscher. Sollte jemand
gefährliche Signale nicht von ungefährlichen unterscheiden können, würde das zu
einer Überreaktion des emotionalen Kampf-oder-Flucht-Reflexes führen.
Bereits zuvor war bekannt, dass eine enge Verbindung zwischen Geruchssinn und
Emotionen besteht. Spezielle Gerüche können alte Erinnerungen oder Gefühle
wecken und der Geruch von Benzin oder Diesel womöglich einen Schock bei einem
Soldaten mit Posttraumatischem Stresssyndrom verursachen. Die neue Studie lässt
nun vermuten, dass diese starken Erinnerungen dadurch ausgelöst werden, dass der
Geruch bereits beim ersten Kontakt intensiver wahrgenommen wird. (pte.at)
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