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16. Jänner 2008
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Aufrufe: 4031
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Koexistenz von Gentechnologie mit herkömmlicher Landwirtschaft unmöglich
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Bauer Percy Schmeiser im
Feldzug gegen Saatgutkonzerne
Wien - Sein jahrelanges Gerichtsverfahren gegen den
Gentechnikkonzern Monsanto hat den kanadischen Bauer Percy Schmeiser weltweit
bekannt gemacht. Zurzeit unternimmt Schmeiser eine Tour durch Österreich und
Deutschland
http://www.percy-schmeiser-on-tour.org, um vor den Gefahren der Gentechnik
zu warnen. "Meine Kernaussage bei allen Veranstaltungen dieser Art ist, dass
eine Koexistenz von gentechnisch veränderten Pflanzen und konventioneller
Landwirtschaft unmöglich ist", so Schmeiser. Dies sei in
keinem Land der Welt machbar.
Schmeiser hatte bereits im Alter von 16 Jahren den landwirtschaftlichen
Betrieb seiner Eltern in der kanadischen Provinz Saskatchewan übernommen.
Hauptsächlich baute der Farmer Raps, aber auch Gerste und Weizen an. "Wie viele
andere Bauern haben wir Sorten gezüchtet, die besser an das Klima und den Boden
angepasst waren. In der nächsten Anbausaison haben wir das eigene Saatgut wieder
ausgebracht", erklärt Schmeiser, der eigentlich damit gerechnet hat, dass er
nach einem halben Jahrhundert Arbeit auf dem Feld den wohlverdienten Ruhestand
antreten könnte. Schmeiser wurde jedoch unerwarteterweise 1998 vom
Gentechnikkonzern Monsanto verklagt, weil neben einem seiner Äcker
genmanipulierter Raps gefunden wurde.
Was anschließend geschah, konnte sich Schmeiser nicht einmal im kühnsten Traum
vorstellen: Beim ersten Gerichtsurteil wurde ihm seine gesamte Ernte
weggenommen, weil entweder seine Felder gentechnisch verschmutzt waren oder die
Möglichkeit bestand, dass bislang gentechnikfreie Felder verschmutzt werden
könnten. "Mit einem Schlag war ein halbes Jahrhundert Zuchtarbeit zerstört.
Alles, was wir hatten war verloren", so Schmeiser, der daraufhin Klage gegen
Monsanto vor den Obersten Kanadischen Gerichtshof einbrachte. "Das Argument war,
dass eine Übertragung der genmanipulierten Pollen durch Wind und Insekten nicht
verhindert werden kann. Wir hatten nie Gentechnik-Saatgut gekauft, ja nicht
einmal den Repräsentanten des Unternehmens gekannt." Es ging Schmeiser darum, zu
erreichen, dass jeder Bauer - wie schon die Jahrhunderte davor - sein eigenes
Saatgut aussäen kann.
"Die Klage war eine Initialzündung", so Schmeiser, der sich seither für ein
Verbot genmanipulierter Organismen sowie ein Verbot der Patentierung von Leben
einsetzt. "Die zentrale Botschaft bei den Vorträgen in Europa bezieht sich auf
die viel diskutierte Koexistenz." Diese sei unmöglich, da man sie nicht unter
Kontrolle halten könne. "Man kann nicht verhindern, dass Pollen oder Samen durch
Wind, Insekten, Vögel, Maschinen oder den Menschen vertragen werden", erklärt
der Aktivist. "Seit zwölf Jahren werden in Kanada genmanipulierte Pflanzen
angebaut und haben dafür gesorgt, dass ein konventioneller Anbau nicht mehr
möglich ist." Ökologischer Anbau sei überhaupt unmöglich geworden. Damit werde
die gesamte Biobauern-Branche zerstört. "Worum es geht, ist die totale Kontrolle
des Saatgut- und des Nahrungsmittelangebotes seitens der Saatgutkonzerne",
erklärt Schmeiser.
Nach sechs Jahren Gerichtsverfahren wurde Schmeiser von der Zahlung von
Patentabgaben und Schadenersatzzahlungen an Monsanto freigesprochen. Dennoch
kostete ihn der Prozess 400.000 Dollar. "Dieses Geld konnten wir nicht alleine
aufbringen, sondern nur mit Hilfe von Spendern." Am 7. Dezember wurden Percy
Schmeiser und seine Gattin in Stockholm mit dem Alternativ-Nobelpreis
ausgezeichnet. In der offiziellen Begründung zum Preis hieß es, dass Schmeiser
die Welt auf die Gefahren für die Landwirtschaft und die Artenvielfalt
aufmerksam gemacht habe, die von der zunehmenden Marktdominanz und dem
aggressiven Marketing von Firmen ausgeht, die Saatgut gentechnisch manipulieren.
Das hat den Bauern aus Sasketchwan dazu ermutigt noch einmal gegen Monsanto vor
Gericht zu gehen. "In der jüngsten Klage geht es darum, den Saatgutkonzern für
die Verunreinigung haftbar zu machen", so Schmeiser abschließend. (pte.at)
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